Edward Hopper, Morning Sun © Columbus Museum of Art, Ohio

Edward Hopper, Morning Sun, 1952, Huile sur toile, 71,4 x 101,9 cm, Columbus Museum of Art, Ohio : Howald Fund Purchase 1954.031, © Columbus Museum of Art, Ohio

Edward Hopper, Night shadows © Philadelphia museum of art

Edward Hopper, Night shadows, 1921, Gravure, 17,5 x 21 cm, Philadelphia Museum of Art : Purchased with theThomas Skelton Harrison Fund, 1962, © Philadelphia museum of art

Edward Hopper, Girlie show © Private Collection / The Bridgeman Art Library

Edward Hopper, Girlie show, 1941, Huile sur toile, 81,3 x 96,5 cm, Collection de Fayez Sarofim, © Private Collection / The Bridgeman Art Library

Gründe für Edward Hoppers Erfolg

Warum Hopper? Gründe für Edward Hoppers Erfolg (1882-1967)

Edward Hopper schuf klare und gleichzeitig rätselhafte Bilder in einem figurativen Stil, die stets Blicke auf die Gesellschaft offenbaren (Social Painting). 

Edward Hoppers Gemälde transportieren eine interpretative Dimension der Orte, Objekte und Menschen, die sich dem Betrachter aufdrängt. Jedes einzelne seiner Werke zeigt Bilder von Stille und Einsamkeit, von Wünschen und (erotischen) Frustrationen, die beunruhigend, neurotisch und nervös wirken. Seine Malweise hat beunruhigende Züge. Er vertritt das Amerika vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die 1960er Jahre, das verlorene Amerika, das sich eine eigene Identität wie beispielsweise die europäischen Länder wünscht.

Der erste Grund seines Erfolgs:

Für Hopper ist Kunst zunächst eine Übertragung, aber keine Transformation: er ist gegen den Surrealismus und gegen die Abstraktion. So entdeckt er die figurative Malerei für sich. Er überträgt seine persönlichen Vorlieben auf den Maßstab einer ganzen Bevölkerung. Seine Malerei ist eine kollektive und soziale. 

Was er außerdem beansprucht, ist eine intime, sehr persönliche Malerei. Und wenn Übertragung, Intimität und soziale Realität aufeinandertreffen, hat er Erfolg. Das ist sein Vermächtnis. 

Die neutrale Sichtweise (objektive Sicht: beherrscht durch das sich aufdrängende Objekt) und gleichzeitig die Perspektive des Voyeurs, beunruhigend, angsteinflößend und unheimlich: ein Solitär in der Malerei. Seine persönliche Auffassung von Malerei (angetrieben durch Gefühle und eine persönliche Psychologie) steht derjenigen zahlreicher amerikanischer Künstler vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis zum II. Weltkrieg nahe. Hopper thematisiert die Frage einer heimatlichen Malerei. Seine ausgeprägt fotografische und kinematografische Auffassung von Malerei steht dem amerikanischen Krimi, dem Roman Noir und dem amerikanischen Kino sehr nahe. Er verfolgt diese Entwicklungen und verhilft ihnen gleichzeitig zur Blüte – er hat später einen enormen Einfluss auf Hitchcocks Filmkunst. Sie „passen“, sie entsprechen einer Sichtweise Amerikas von und über Amerika.

Der zweite Grund seines Erfolgs:

- Er hat die Kenntnis kultureller Gegebenheiten noch nicht (die Armory Show von 1913 war ein Triumph über den Skandal der avantgardistischen europäischen Kunst – Edward Hopper nimmt daran teil).

- Er erlebt eine nie dagewesene „Depression“ in den 20er und 30er Jahren und vertritt die Mittelklasse, also ein Amerika der „Provinz“, die von der amerikanischen Moderne und der Krise der 30er Jahre zurückgelassen wurde (Grund, weshalb er uns heute berührt: weil dies unserer persönlichen Situation entspricht).

- Edward Hopper ist zu Lebzeiten ab seinem vierzigsten Lebensjahr berühmt, er wird in zahlreichen Ausstellungen gezeigt (und vertritt u.a. die USA in der Biennale von Venedig). 

Seine Werke sind in großem Umfang bekannt, über Aquarelle, Werbungen und Deckblätter von Zeitschriften (Illustrationen). Er ist sehr gut im Whitney Museum vertreten: das Museum der amerikanischen Ostküste besitzt 250.000 Werke, die von seiner Frau Joséphine per Testament vermacht wurden. 

Edward Hopper schafft eine „identitäre“ Malerei mit Bildern, Ausschnitten und Wiederholungen des amerikanischen Kinos seiner Zeit. 

 

Er ist von einer amerikanischen Schule geprägt: das Atelier von Robert Henri in der New York Art School, dem Mitbegründer der „Ascheimer-Schule“ (Ashcan School: gesellschaftskritischer Realismus der Armut und der Tristesse). Robert Henri ist von der französischen Malerei von Courbet, Manet, sowie von Velasquez und Rembrandt, dem Realisten des 17. Jahrhunderts, beeinflusst. Hopper wird in dieser Schule ausgebildet und entfernt sich bald davon, als er einen neuen Zugang zur Farbe für sich entdeckt. Er hat daraufhin einen enormen Einfluss auf die Pop Art; Warhol und die britischen Künstler bewundern ihn, weil er den Sinn des Lebens, die Symbole und Zeichen des Alltags zu seinen Inhalten macht.

Hoppers Aufenthalte in Paris gehen mit einer Nähe seiner Gemälde zu Félix Vallotton einher: dessen Haltung weist Ähnlichkeiten mit derjenigen von Hopper auf. Der Vergleich ist treffend, denn seine Werke sind hart, ironisch und erotisch. Und Hopper zeigt sie mit einer gewissen Bitterkeit und Kritik. 

Der zweite Aspekt, der Hopper sehr interessiert, ist die Inszenierung. Degas hat ihn sehr stark geprägt, denn er hat Theaterszenen mit dem für ihn typischen, leeren Betrachtungswinkel dargestellt, und die Welt so zu einer spektakulären Welt gemacht, in der es keine Helden, keine Protagonisten mehr gibt. Hopper bewegt sich in der Anonymität, in der intimen Sphäre. 

„Vielleicht bin ich nicht sehr menschlich. Ich wollte das Sonnenlicht auf der Wand eines Hauses malen.“

Artikel von Christian Lassalle: Kunsthistoriker.

 

Weiter zu unserer Schritt-für-Schritt-Anleitung >>