Paul kee

Paul Klee kennenlernen

Werke von archäologischer Tiefe, von den Nazis verfemt: Der hochkultivierte Paul Klee war einer der Ersten, die in ihren Bildern Legenden und Geschichten erzählten. Seine Werke zeugen von Humor, Feingefühl und Scharfsinn. Seine Malerei ist expressiv, ein Ort unermesslicher Kultur: Archäologie, Ruinen, neue Stilelemente... Seine Theorie: "Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar." Er malt in allen seinen Werken große Räume, erzeugt Illusionen.

Hier der erste Teil seines Lebenslaufs:

1879, Geburt von Paul Klee in Münchenbuchsee bei Bern in der Schweiz.

Sein aus Deutschland stammender Vater Hans Klee (1849-1940) ist ein angesehener Musiklehrer, der am Berner Lehrerseminar in Hofwil unterrichtet. Die aus Basel kommende Mutter Ida Marie, geb. Frick (1885-1921) ist ebenfalls Musikerin und Sängerin.

Als deutscher Staatsbürger beantragt Paul Klee Ende der dreißiger Jahre die schweizerische Staatsbürgerschaft, die er durch das Widerstreben der Behörden erst einige Tage nach seinem Tod erhält.

Erste Kinderzeichnungen mit seiner Großmutter mütterlicherseits.

Um 1890 spielt er, noch als Gymnasiast, als Violinist im Berner Kammermusikorchester. Er schwankt zwischen einer Laufbahn als Musiker oder Maler.

1898-1901. Klee beginnt ein Tagebuch, das er 1918 abschließt und später überarbeitet. Nach der Matura zieht er nach München und studiert die Malerei in der privaten Zeichenschule Heinrich Knirrs und an der Kunsthochschule bei Franz von Stuck, einem angesehenen Maler des Symbolismus, der großes Augenmerk auf die Bilderrahmen legte. Kandinsky ist einer seiner Mitschüler, die beiden Maler werden jedoch erst später zu Freunden. Klee hört auch Vorlesungen zur Kunstgeschichte und zur Anatomie und besucht häufig die Oper.

1901-1902. Von Oktober 1901 bis Mai 1902 unternimmt er eine sechsmonatige Italienreise. Er durchlebt eine Schaffenskrise und entdeckt die Architektur der Renaissance, Michelangelo und die Meister des Quattrocento. Im Aquarium von Neapel entdeckt er eine überraschende Flora und Fauna voller neuer Formen, wie eine farbenfrohe Nacktschnecke, die er mit einem untergegangenen Ozeandampfer vergleicht.

1902-1906. Er kehrt nach Bern zurück, um seine Ausbildung abzuschließen, fertigt vor allem Zeichnungen, Radierungen, Aquarelle und Hinterglasmalereien an (1905-1906), musiziert zuhause und liest viel (Hoffmann, Poe, Gogol, Goethes "Wahlverwandtschaften", Baudelaire, Cervantes, Rabelais und die Schriftsteller der Antike ...). Er wohnt bei seinen Eltern und hat Engagements bei der Berner Musikgesellschaft. Bei Aufenthalten in München sieht er Werke von Blake, Goya, Beardsley, Ensor. Im Juni 1905 unternimmt er mit seinen Freunden Bloesch und Moilliet eine kurze Reise nach Paris, wo er impressionistische Werke sieht, die Künstler selbst jedoch nicht trifft. Er erkennt ihre Sensibilität und Neuartigkeit an, löst sich jedoch von ihnen, um in den 1910er Jahren den Expressionismus theoretisch zu entwickeln. Darüber hinaus sieht er Werke von Toulouse-Lautrec und Corot. Im Louvre bewundert er Rembrandt, Goya und Leonardo da Vinci.

1906. Reise nach Berlin. Er heiratet die Pianistin Lily Stumpf, Tochter eines Münchener Arztes, die er 1899 in München kennengelernt hatte. Über 10 Jahre wird ihr Klavierunterricht das Haupteinkommen des in München lebenden Paars ausmachen. Ihr einziges Kind, Felix, wird 1907 geboren (gest. 1990). Erste Teilnahme an einer Ausstellung der Münchener Secession mit den "Inventionen", einer Reihe von 10 Radierungen, die stark satirisch geprägt und von Goyas Radierungen ("Caprichos" und "Schrecknisse des Krieges") beeinflusst sind.

1907-1910. Große Münchener Ausstellungen von Matisse, Van Gogh, Cézanne – "dem Lehrmeister par excellence" und Hans von Marées (1837-1887). 1910 (August bis Januar 1911) erste persönliche Ausstellung mit 56 Zeichnungen und Aquarellen im Kunstmuseum Bern sowie in Zürich, Winterthur und Basel.

1911. Im Februar beginnt er, seine Werke in einem handschriftlichen Katalog aufzuzeichnen, den er bis kurz vor seinem Tode führt. Er lernt den phantastischen Zeichner Alfred Kubin kennen, de Arp, und die Künstler des "Blauen Reiters" – Kandinsky, Marc, Macke, Jawlensky, Münter, Werefkin, Campendonk. Der Name der Gruppe beruht auf einem Werk Kandinskys und den farbigen Pferden von Marc, er entspricht dem Wunsch zum Aufbruch ins Unbekannte. Die entschlossen moderne Gruppe stellt die Lyrik und die Kraft der Farben in den Vordergrund, greift die Kunst von Naturvölkern in aller Welt auf, hebt sich von der Kunst der Imitation ab, schätzt die Zeichnungen von Kindern, bevorzugt die Technik des Aquarells, stellt zahlreiche Verbindungen zur Musik her (die Farbe wird mit Tönen gleichgesetzt) und sucht nach einer neuen spirituellen Energie. Sichtbar wird dies zusammen mit Artikeln über die Kunst und die Werke Schönbergs, Weberns und Bergs im "Almanach des Blauen Reiters" (Mai 1912) und in verschiedenen Ausstellungen, die auch Bilder Delaunays und Henri Rousseaus zeigen. Kurz vor dem Almanach erscheint "Über das Geistige in der Kunst" von Kandinsky, ein Haupttext der modernen Kunst, dessen Ideen sich mit denen Klees bis in die zwanziger Jahre überschneiden. In der schweizerischen Monatsschrift "Die Alpen" seines Freundes Bloesch veröffentlicht er Kritiken zu Ausstellungen und kulturellen Ereignissen in München.

Ausstellung in der Tate Modern in London: http://www.tate.org.uk/whats-on/tate-modern/exhibition/ey-exhibition-paul-klee-making-visible

Gegenwärtige Ausstellung in Bern:http://www.zpk.org/de/expositions/actuellement/le-voyage-en-tunisie-klee-macke-moilliet-657.html

100 Jahre Tunisreise von Paul Klee:http://www.goethe.de/ins/tn/tun/kue/de12413432.htm

Artikel von Christian Lassalle

Unsere Schritt-für-Schritt-Anleitung anzeigen >>